 |
Der erste Veranstaltungstag startete nach einer Begrüßung
durch Frau Gabriele Sterzenbach vom Bundesministerium für Verkehr,
Bau und Stadtentwicklung sowie durch Herrn Dr. Manfred Stehmeyer vom
Niedersächsischen Ministerium Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit
mit einem "Halbzeitbericht"
(3 MB) des ExWoSt-Forschungsfeldes Stadtumbau West von Frau Evi Goderbauer,
Projektleiterin beim Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Frau
Goderbauer verwies auf das anhaltend große Interesse an den Ergebnissen
des Forschungsfeldes und hob die vielen Highlights - umgesetzte Stadtumbau-Maßnahmen
in den Pilotstädten - hervor, ohne die Lowlights als Hindernisse
und Stolpersteine in den Stadtumbau-Prozessen zu vergessen.
Im zweiten Teil des ersten Veranstaltungstages standen die Stadtumbau-
und Soziale-Stadt-Vorhaben der Stadt Salzgitter im Mittelpunkt. Eine
Einführung in die Geschichte der Stadt Salzgitter, die durch Gründungsakt
1942 ins Leben gerufen wurde, gab Herr Helmut Knebel, Oberbürgermeister
der Stadt Salzgitter. Er erinnerte daran, dass die Entwicklung und Namensgebung
von Salzgitter zum einen im engen Zusammenhang mit historischen Salzfunden,
zum anderen aber mit den Erzvorkommen steht, die während des Nationalsozialismus
die Basis für die Entstehung der Stadt Salzgitter bildeten. Mit
dem Ausbau der industriellen Erzgewinnung seit 1937 wuchs die Stadt
von 16.500 Einwohnern auf 100.000 Einwohner im Jahr 1950. Mit diesem
Bevölkerungswachstum einher ging in den 1940er Jahren und später
noch einmal in den 1960er Jahren verstärkter Wohnungsbau. Ein großer
Teil dieser Siedlungen leidet heute unter Modernisierungsstau und Nachfragemangel
und bedarf einer Anpassung an heutige Nachfragestrukturen.
Herr Günter Klatt, Referatsleiter Stadtentwicklung der Stadt Salzgitter
vermittelte darauf aufbauend einen Überblick
(7 MB) über die Herausforderungen des Stadtumbau West-Projektgebietes
Seeviertel (1960er Jahre) und der Ost- und Westsiedlung in Salzgitter-Bad
(1940er Jahre). Herr Karsten Schröder vom Stadtbüro Dortmund
wiederum erläuterte die Rahmenbedingungen des Soziale Stadt-Gebietes
Fredenberg
(1960er Jahre). Es wurde darauf hingewiesen, dass alle drei Siedlungen
als Investitionsvorranggebiete im Integrierten Stadtentwicklungs- und
Handlungskonzept von Salzgitter aus dem Jahre 2004 ausgewiesen wurden.
Darüber hinaus wurden die in Planung befindlichen und bereits durchgeführten
Maßnahmen in den Gebieten erläutert.
Im Mittelpunkt des zweiten Veranstaltungstages standen "Selbstbeobachtungssysteme
im Stadtumbau". Herr Martin Karsten, Projektleiter der Forschungsagentur
Stadtumbau West führte in das Leitthema der Veranstaltung ein,
indem er Selbstbeobachtungssysteme
im Stadtumbau in einerseits Monitoringsysteme als quantitativ orientierte
Beobachtungsinstrumente von Stadtumbau-Prozessen und andererseits Evaluierungssyteme
als Instrumente zur Bewertung von Wirkungen unterschied. Bei den Monitoringsystemen
unterschied er wiederum in stadtweite und stadtteil- bzw. ortsteilbezogene
Beobachtungsinstrumente. Er stellte dar, dass bei der Evaluierung zu
differenzieren sei in indikatorengestützte quantitative Evaluierung
von Maßnahmebündeln auf Quartiersebene oder Einzelmaßnahmen
sowie in qualitative Selbst- und qualitative Fremdevaluierung . Diese
einführende Strukturierung, die an zahlreichen Beispielen aus Pilotstädten
verdeutlicht wurde, diente als Grundgerüst für weitere Impulsreferate
sowie zu vertiefender Arbeitsgruppenarbeit:
- Stadtweite und stadtteilbezogene Monitoringsysteme im Stadtumbau
Herr Karsten stellte in seinem Vortrag mehrere Monitoringsysteme beispielhaft
vor: Das Stadtumbau-Monitoring des Landes Thüringen wurde entwickelt,
um eine gesicherte Datengrundlage zur Beobachtung der Stadtumbau-Prozesse
der im Stadtumbau Ost-Programm aufgenommenen thüringischen Kommunen
zu erhalten. Es stellt somit die Basis für eine Evaluation des
Stadtumbaus Ost in Thüringen dar. Das Monitoring der Stadtumbau
West-Pilotstadt Wilhelmshaven
wiederum zielt darauf ab, die komplexen Zusammenhänge einer von
Schrumpfung betroffenen Stadt regelmäßig und systematisch
in den Themenbereichen Bevölkerung, Flächen, Wohnungsbestand,
Arbeitsmarkt, Infrastruktureinrichtungen, Soziales und kommunale Finanzsituation
erfassen zu können. Dem selben Ziel dient das Stadt- bzw. Ortsteilmonitoring
in der Stadtumbau West-Pilotstadt Bremerhaven, das sich allerdings
auf die Beobachtung der Prozesse konzentriert, die im Zusammenhang
mit dem Wohnen stehen.
Herr Stefan Heinig, stellvertretender Leiter der Abteilung Stadtentwicklung
der Stadt Leipzig ergänzte die Erläuterungen zu stadtweiten
Beobachtungssystemen im Stadtumbau, indem er das Beispiel Leipzig
vorstellte. In Leipzig wurde seit 1995 ein Raumbeobachtungssystem
aufgebaut, das neben Aspekten der Demographie, des Wohnens und sozialer
Aspekte auch z.B. Zentren- und Gewerbeentwicklung umfasst. Teile dieses
Raumbeobachtungssystems wurden seit 2000 zu einem Stadtumbau-Monitoring
weiterentwickelt. Dieses Stadtumbau-Monitoring umfasst die Beobachtung
regionaler Prozesse (Wanderungen, Bevölkerungszahl, Baufertigstellungen,
Wohnungsbestand und Pendler), gesamtstädtischer Entwicklungen
(u.a. Beschäftigung und Einkommen, Bevölkerung, Bautätigkeit,
Wohnungsleerstand) sowie kleinräumiger Prozesse auf der Ebene
von Ortsteilen oder auch Stadträumen wie Großsiedlungen
oder Fördergebieten. Bei der stadtweiten Beobachtung kommen auch
qualitative Aspekte im Rahmen eines Wohnungsmarktbarometers durch
Befragung von Wohnungsunternehmen zum Einsatz. Auf der Basis dieses
Monitoringsystems werden jährlich ein Monitoringbericht, weitere
Sonderberichte, Vorlagen und Veröffentlichungen erstellt. Weiterhin
werden die Daten als Grundlage für Evaluationen im Stadtumbau
eingesetzt.
In einer Arbeitsgruppe "Stadtweites Monitoring im Stadtumbau"
tauschten Vertreter der Pilotstädte mit den Referenten ihre Erfahrungen
mit Monitoringsystemen in Bezug auf Zwecke, Produkte und Themen aus.
Eine zusammenfassende Ergebnisdarstellung finden Sie hier.
- Indikatorengestützte Evaluierung von Maßnahmebündeln
im Quartier
Im Rahmen des Einführungsreferates (s.o.) von Herrn Karsten wurde
der Evaluationsansatz der Pilotstadt Bremerhaven für ihre Projektgebiete
vorgestellt. Bremerhaven hat für jedes der Projektgebiete Ziele
formuliert, die mit der Umsetzung der Stadtumbau-Maßnahmen verbunden
werden. Für diese Ziele wiederum wurden vor dem Start der Maßnahmen
Indikatoren formuliert, mit deren Hilfe die Zielerreichung abgeschätzt
werden kann. Die Verfügbarkeit und Quelle der Daten zu diesen
Indikatoren wurde vorab geprüft. Mit diesem System soll eine
Wirkungsbeobachtung der Stadtumbau-Maßnahmen in den jeweiligen
Quartieren vorgenommen werden.
Herr Andreas Thiele, Abteilungsleiter Stadterneuerung und Stadtentwicklung
der Stadt Schwerin berichtete vom Ansatz der Wirkungsbeobachtung
des Stadtumbaus von Quartieren in Schwerin. Im Vorfeld der Auswahl
von Indikatoren wurden die herausragenden wohnungswirtschaftlichen,
stadtplanerischen und programmorientierten Fragen formuliert, die
mit der Wirkungsbeobachtung des Stadtumbaus in Schwerin zur Beantwortung
stehen. Als einer der wichtigsten Indikatoren der Wirkungsbeobachtung
im Stadtumbau hat sich die stromzählergestützte Wohnungsleerstandserfassung
herausgestellt. Wegen der hohen Bedeutung für die Wirkungsbeobachtung
des Stadtumbaus erläuterte Herr Thiele vertiefend den Verlauf
der Leerstandsentwicklung
und deren Dokumentation im Rahmen der Wirkungsbeobachtung 2002 bis
2005 anhand von Großsiedlungen in Schwerin.
Am Beispiel des Pilotstadtteils Lübeck-Buntekuh im ExWoSt-Forschungsfeld
Stadtumbau West wurde im Rahmen der Arbeitsgruppenarbeit ein System
zur Wirkungsanalyse im Stadtumbau von Wohnquartieren andiskutiert.
Auf der Basis von inhaltlichen Anregungen zum Zweck und zu Hindernissen
einer Wirkungsbeobachtung durch Frau Schlonski und zu den Handlungsfeldern
und Zielen des Stadtumbaus in Buntekuh durch Herrn Kreutz hat
die Arbeitsgruppe Indikatoren zu Zielen von ausgewählten Handlungsfeldern
herausgearbeitet. Eine Zusammenfassung der AG-Ergebnisse finden Sie
hier.
- Evaluierung von Einzelmaßnahmen im Stadtumbau
Frau Gudrun Heckemeier aus der Pilotstadt Bremerhaven stellte verschiedene
Aspekte des Beobachtungssystems
im ExWoSt-Vorhaben Stadtumbau West in Bremerhaven vor. Besondere Aufmerksamkeit
widmete sie dabei dem Aufbau, den Zielen und dem Aufwand der maßnahmenbezogenen
Erfolgskontrolle. Am Beispiel einer Stadtumbau West-Maßnahme
- der Sanierung und Umnutzung eines historischen Schulgebäudes
im Gründerzeitviertel Bremerhaven-Lehe-Goethestraße - erläuterte
Frau Heckemeier den Evaluationsansatz: Für jede Maßnahme
wurden nachprüfbare Ziele formuliert, die das Kriterium der Erfolgskontrolle
darstellen. Zu den Projektzielen wurden Indikatoren erarbeitet, mit
denen die Zielerreichung gemessen werden kann. Die Prüfung der
Datenquelle und Datenverfügbarkeit der Indikatoren erfolgte vorab.
Herr Norbert Friedrich, Abteilungsleiter Bebauungsplanung im Stadtplanungsamt
Bremerhaven ergänzte die Erläuterungen von Frau Heckemeier
anhand eines städtebaulichen Evaluierungsbeispiels
(5 MB) im Ziel-2-Programm des Landes Bremen, das das Prinzip des Stadtumbau
West-Evaluierungsansatzes widerspiegelt.
Im Rahmen einer Arbeitsgruppe wurde auf Basis eines Inputs
durch Herrn Bachmann eine Vorgehensweise zur Erarbeitung eines Evaluationsansatzes
für Stadtumbau-Maßnahmen in den Stadtumbau West-Pilotkommunen
von Schwalm-Eder-West entwickelt. Eine Ergebniszusammenfassung dieser
AG-Arbeit finden Sie hier.
In einer vorläufigen Bilanz der Diskussionen zu "Selbstbeobachtungssystemen
im Stadtumbau" im ExWoSt-Forschungsfeld Stadtumbau West kann festgehalten
werden, dass die Akzeptanz von Monitoring und Evaluation als feste Bestandteile
der Stadtumbau-Vorhaben deutlich zugenommen hat. Diese Akzeptanz nimmt
in dem Maße zu, wie Monitoring- und Evaluationsansätze die
knappen Personalressourcen der beteiligten Kommunen berücksichtigen
und individuelle, auf die spezifischen Bedarfe der Kommune zugeschnittene
Lösungen zulassen. Vor diesem Hintergrund ist die Empfehlung einzuordnen,
bei Monitoring- und Evaluationsvorgaben durch den Bund oder die Bundesländer
einen Spielraum für individuelle Lösungen zuzulassen und auch
qualitative Elemente wie die Selbstevaluierung der Prozesse durch die
Prozessbeteiligten aufzunehmen.


|