ExWoSt-Forschungsfeld Stadtumbau West

Selbstbeobachtungssysteme im Stadtumbau

Zusammenfassende Dokumentation der 7. Projektwerkstatt im ExWoSt-Forschungsfeld Stadtumbau West am 30./31.03.06 in Salzgitter


Der erste Veranstaltungstag startete nach einer Begrüßung durch Frau Gabriele Sterzenbach vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sowie durch Herrn Dr. Manfred Stehmeyer vom Niedersächsischen Ministerium Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit mit einem "Halbzeitbericht" (3 MB) des ExWoSt-Forschungsfeldes Stadtumbau West von Frau Evi Goderbauer, Projektleiterin beim Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Frau Goderbauer verwies auf das anhaltend große Interesse an den Ergebnissen des Forschungsfeldes und hob die vielen Highlights - umgesetzte Stadtumbau-Maßnahmen in den Pilotstädten - hervor, ohne die Lowlights als Hindernisse und Stolpersteine in den Stadtumbau-Prozessen zu vergessen.

Im zweiten Teil des ersten Veranstaltungstages standen die Stadtumbau- und Soziale-Stadt-Vorhaben der Stadt Salzgitter im Mittelpunkt. Eine Einführung in die Geschichte der Stadt Salzgitter, die durch Gründungsakt 1942 ins Leben gerufen wurde, gab Herr Helmut Knebel, Oberbürgermeister der Stadt Salzgitter. Er erinnerte daran, dass die Entwicklung und Namensgebung von Salzgitter zum einen im engen Zusammenhang mit historischen Salzfunden, zum anderen aber mit den Erzvorkommen steht, die während des Nationalsozialismus die Basis für die Entstehung der Stadt Salzgitter bildeten. Mit dem Ausbau der industriellen Erzgewinnung seit 1937 wuchs die Stadt von 16.500 Einwohnern auf 100.000 Einwohner im Jahr 1950. Mit diesem Bevölkerungswachstum einher ging in den 1940er Jahren und später noch einmal in den 1960er Jahren verstärkter Wohnungsbau. Ein großer Teil dieser Siedlungen leidet heute unter Modernisierungsstau und Nachfragemangel und bedarf einer Anpassung an heutige Nachfragestrukturen.

Herr Günter Klatt, Referatsleiter Stadtentwicklung der Stadt Salzgitter vermittelte darauf aufbauend einen Überblick (7 MB) über die Herausforderungen des Stadtumbau West-Projektgebietes Seeviertel (1960er Jahre) und der Ost- und Westsiedlung in Salzgitter-Bad (1940er Jahre). Herr Karsten Schröder vom Stadtbüro Dortmund wiederum erläuterte die Rahmenbedingungen des Soziale Stadt-Gebietes Fredenberg (1960er Jahre). Es wurde darauf hingewiesen, dass alle drei Siedlungen als Investitionsvorranggebiete im Integrierten Stadtentwicklungs- und Handlungskonzept von Salzgitter aus dem Jahre 2004 ausgewiesen wurden. Darüber hinaus wurden die in Planung befindlichen und bereits durchgeführten Maßnahmen in den Gebieten erläutert.

Im Mittelpunkt des zweiten Veranstaltungstages standen "Selbstbeobachtungssysteme im Stadtumbau". Herr Martin Karsten, Projektleiter der Forschungsagentur Stadtumbau West führte in das Leitthema der Veranstaltung ein, indem er Selbstbeobachtungssysteme im Stadtumbau in einerseits Monitoringsysteme als quantitativ orientierte Beobachtungsinstrumente von Stadtumbau-Prozessen und andererseits Evaluierungssyteme als Instrumente zur Bewertung von Wirkungen unterschied. Bei den Monitoringsystemen unterschied er wiederum in stadtweite und stadtteil- bzw. ortsteilbezogene Beobachtungsinstrumente. Er stellte dar, dass bei der Evaluierung zu differenzieren sei in indikatorengestützte quantitative Evaluierung von Maßnahmebündeln auf Quartiersebene oder Einzelmaßnahmen sowie in qualitative Selbst- und qualitative Fremdevaluierung . Diese einführende Strukturierung, die an zahlreichen Beispielen aus Pilotstädten verdeutlicht wurde, diente als Grundgerüst für weitere Impulsreferate sowie zu vertiefender Arbeitsgruppenarbeit:

  • Stadtweite und stadtteilbezogene Monitoringsysteme im Stadtumbau
    Herr Karsten stellte in seinem Vortrag mehrere Monitoringsysteme beispielhaft vor: Das Stadtumbau-Monitoring des Landes Thüringen wurde entwickelt, um eine gesicherte Datengrundlage zur Beobachtung der Stadtumbau-Prozesse der im Stadtumbau Ost-Programm aufgenommenen thüringischen Kommunen zu erhalten. Es stellt somit die Basis für eine Evaluation des Stadtumbaus Ost in Thüringen dar. Das Monitoring der Stadtumbau West-Pilotstadt Wilhelmshaven wiederum zielt darauf ab, die komplexen Zusammenhänge einer von Schrumpfung betroffenen Stadt regelmäßig und systematisch in den Themenbereichen Bevölkerung, Flächen, Wohnungsbestand, Arbeitsmarkt, Infrastruktureinrichtungen, Soziales und kommunale Finanzsituation erfassen zu können. Dem selben Ziel dient das Stadt- bzw. Ortsteilmonitoring in der Stadtumbau West-Pilotstadt Bremerhaven, das sich allerdings auf die Beobachtung der Prozesse konzentriert, die im Zusammenhang mit dem Wohnen stehen.

    Herr Stefan Heinig, stellvertretender Leiter der Abteilung Stadtentwicklung der Stadt Leipzig ergänzte die Erläuterungen zu stadtweiten Beobachtungssystemen im Stadtumbau, indem er das Beispiel Leipzig vorstellte. In Leipzig wurde seit 1995 ein Raumbeobachtungssystem aufgebaut, das neben Aspekten der Demographie, des Wohnens und sozialer Aspekte auch z.B. Zentren- und Gewerbeentwicklung umfasst. Teile dieses Raumbeobachtungssystems wurden seit 2000 zu einem Stadtumbau-Monitoring weiterentwickelt. Dieses Stadtumbau-Monitoring umfasst die Beobachtung regionaler Prozesse (Wanderungen, Bevölkerungszahl, Baufertigstellungen, Wohnungsbestand und Pendler), gesamtstädtischer Entwicklungen (u.a. Beschäftigung und Einkommen, Bevölkerung, Bautätigkeit, Wohnungsleerstand) sowie kleinräumiger Prozesse auf der Ebene von Ortsteilen oder auch Stadträumen wie Großsiedlungen oder Fördergebieten. Bei der stadtweiten Beobachtung kommen auch qualitative Aspekte im Rahmen eines Wohnungsmarktbarometers durch Befragung von Wohnungsunternehmen zum Einsatz. Auf der Basis dieses Monitoringsystems werden jährlich ein Monitoringbericht, weitere Sonderberichte, Vorlagen und Veröffentlichungen erstellt. Weiterhin werden die Daten als Grundlage für Evaluationen im Stadtumbau eingesetzt.

    In einer Arbeitsgruppe "Stadtweites Monitoring im Stadtumbau" tauschten Vertreter der Pilotstädte mit den Referenten ihre Erfahrungen mit Monitoringsystemen in Bezug auf Zwecke, Produkte und Themen aus. Eine zusammenfassende Ergebnisdarstellung finden Sie hier.
  • Indikatorengestützte Evaluierung von Maßnahmebündeln im Quartier
    Im Rahmen des Einführungsreferates (s.o.) von Herrn Karsten wurde der Evaluationsansatz der Pilotstadt Bremerhaven für ihre Projektgebiete vorgestellt. Bremerhaven hat für jedes der Projektgebiete Ziele formuliert, die mit der Umsetzung der Stadtumbau-Maßnahmen verbunden werden. Für diese Ziele wiederum wurden vor dem Start der Maßnahmen Indikatoren formuliert, mit deren Hilfe die Zielerreichung abgeschätzt werden kann. Die Verfügbarkeit und Quelle der Daten zu diesen Indikatoren wurde vorab geprüft. Mit diesem System soll eine Wirkungsbeobachtung der Stadtumbau-Maßnahmen in den jeweiligen Quartieren vorgenommen werden.

    Herr Andreas Thiele, Abteilungsleiter Stadterneuerung und Stadtentwicklung der Stadt Schwerin berichtete vom Ansatz der Wirkungsbeobachtung des Stadtumbaus von Quartieren in Schwerin. Im Vorfeld der Auswahl von Indikatoren wurden die herausragenden wohnungswirtschaftlichen, stadtplanerischen und programmorientierten Fragen formuliert, die mit der Wirkungsbeobachtung des Stadtumbaus in Schwerin zur Beantwortung stehen. Als einer der wichtigsten Indikatoren der Wirkungsbeobachtung im Stadtumbau hat sich die stromzählergestützte Wohnungsleerstandserfassung herausgestellt. Wegen der hohen Bedeutung für die Wirkungsbeobachtung des Stadtumbaus erläuterte Herr Thiele vertiefend den Verlauf der Leerstandsentwicklung und deren Dokumentation im Rahmen der Wirkungsbeobachtung 2002 bis 2005 anhand von Großsiedlungen in Schwerin.

    Am Beispiel des Pilotstadtteils Lübeck-Buntekuh im ExWoSt-Forschungsfeld Stadtumbau West wurde im Rahmen der Arbeitsgruppenarbeit ein System zur Wirkungsanalyse im Stadtumbau von Wohnquartieren andiskutiert. Auf der Basis von inhaltlichen Anregungen zum Zweck und zu Hindernissen einer Wirkungsbeobachtung durch Frau Schlonski und zu den Handlungsfeldern und Zielen des Stadtumbaus in Buntekuh durch Herrn Kreutz hat die Arbeitsgruppe Indikatoren zu Zielen von ausgewählten Handlungsfeldern herausgearbeitet. Eine Zusammenfassung der AG-Ergebnisse finden Sie hier.
  • Evaluierung von Einzelmaßnahmen im Stadtumbau
    Frau Gudrun Heckemeier aus der Pilotstadt Bremerhaven stellte verschiedene Aspekte des Beobachtungssystems im ExWoSt-Vorhaben Stadtumbau West in Bremerhaven vor. Besondere Aufmerksamkeit widmete sie dabei dem Aufbau, den Zielen und dem Aufwand der maßnahmenbezogenen Erfolgskontrolle. Am Beispiel einer Stadtumbau West-Maßnahme - der Sanierung und Umnutzung eines historischen Schulgebäudes im Gründerzeitviertel Bremerhaven-Lehe-Goethestraße - erläuterte Frau Heckemeier den Evaluationsansatz: Für jede Maßnahme wurden nachprüfbare Ziele formuliert, die das Kriterium der Erfolgskontrolle darstellen. Zu den Projektzielen wurden Indikatoren erarbeitet, mit denen die Zielerreichung gemessen werden kann. Die Prüfung der Datenquelle und Datenverfügbarkeit der Indikatoren erfolgte vorab. Herr Norbert Friedrich, Abteilungsleiter Bebauungsplanung im Stadtplanungsamt Bremerhaven ergänzte die Erläuterungen von Frau Heckemeier anhand eines städtebaulichen Evaluierungsbeispiels (5 MB) im Ziel-2-Programm des Landes Bremen, das das Prinzip des Stadtumbau West-Evaluierungsansatzes widerspiegelt.
    Im Rahmen einer Arbeitsgruppe wurde auf Basis eines Inputs durch Herrn Bachmann eine Vorgehensweise zur Erarbeitung eines Evaluationsansatzes für Stadtumbau-Maßnahmen in den Stadtumbau West-Pilotkommunen von Schwalm-Eder-West entwickelt. Eine Ergebniszusammenfassung dieser AG-Arbeit finden Sie hier.


In einer vorläufigen Bilanz der Diskussionen zu "Selbstbeobachtungssystemen im Stadtumbau" im ExWoSt-Forschungsfeld Stadtumbau West kann festgehalten werden, dass die Akzeptanz von Monitoring und Evaluation als feste Bestandteile der Stadtumbau-Vorhaben deutlich zugenommen hat. Diese Akzeptanz nimmt in dem Maße zu, wie Monitoring- und Evaluationsansätze die knappen Personalressourcen der beteiligten Kommunen berücksichtigen und individuelle, auf die spezifischen Bedarfe der Kommune zugeschnittene Lösungen zulassen. Vor diesem Hintergrund ist die Empfehlung einzuordnen, bei Monitoring- und Evaluationsvorgaben durch den Bund oder die Bundesländer einen Spielraum für individuelle Lösungen zuzulassen und auch qualitative Elemente wie die Selbstevaluierung der Prozesse durch die Prozessbeteiligten aufzunehmen.